(Saeculum obscurum)
Nichts ist gruseliger als die Wirklichkeit!
Kein noch so fantasiebegabter Buchautor kann schaurigeres erfinden als es die Wirklichkeit uns vorlebt.
Es gibt einen historischen Zeitraum (ca. 872 nC bis ca. 1046 nC) innerhalb der Kirchengeschichte, welchen man „Dunkles Jahrhundert", „Saeculum obscurum“ aber auch „Pornokratie“ nennt.
Dieser Begriff Saeculum obscurum soll angeblich auf den Oratorianer Kardinal Caesar Baronius (1538 nC bis 1607 nC) zurückgehen.
In dieser Zeit, welche von Intrigen, Brutalität, Mord und Totschlag erfüllt war, kam es zu einem fast beispiellosen moralischen Niedergang des Papsttums. Die Sitte und Moral, welche landesweit von den Kanzeln permanent salbungsvoll und wortreich gepredigt wurde, wurde von den obersten Würdenträgern mit den Füßen getreten.
Sie predigten dem Volk das Wasser und tranken selbst Wein. Und diesen Hektoliter weise!
Oft wusste man gar nicht mehr, ob nun der jeweils amtierende Papst einen Erlass verfügt hatte, oder dieser diesem durch eine seiner Mätressen (hier sei u.a. auf den Ideenreichtum der römischen Senatorin Marozia (930 nC Senatrix Romanorum) hingewiesen) vorher diktiert worden war.
Von einem der damaligen Päpste wurde sogar berichtet, dass dieser von einem eifersüchtigen Ehemann in flagranti erwischt und zeitnah von diesem an Ort und Stelle erschlagen wurde.
Bei solchen Geschichten muss man natürlich immer vorsichtig sein, da heute nach Jahrhunderten der Überlieferung nicht mehr genau festzustellen ist, wie hoch hier der Wahrheitsgehalt ist. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass in so einem Milieu, wo Ehebruch, Mord, Totschlag, Folter, Intrigen, Lug und Betrug, Inzest und Korruption an der Tagesordnung waren, es diesbezüglich "ordentlich zur Sache ging".
Begonnen hat damals alles wahrscheinlich mit der Ermordung (Hammermord) des Papstes Johannes VIII (852 nC bis 16.12.882 nC). Dieser "römisch männliche Lausbub", sofern er überhaupt männlichen Geschlechts war, wurde am 14.12.872 nC zum Papst gewählt, was damals nicht allen gefiel.
Da zu jener Zeit weniger diskutiert als mehr gehandelt wurde, verstarben Würdenträger häufiger "plötzlich und unerwartet", wenn Widersacher diese ideenreich bei Seite räumten.
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(Anm.: An welchen heutigen Staat mit auffallend häufigen Balkon-Unfällen erinnert mich das nur?)
Zum Ende des neunten Jahrhunderts prügelten sich teilweise im wahrsten Sinne des Wortes italienische Adelige -
(u.a. Tuskulaner (Theophylakten). Dies waren Mitglieder einer sehr einflussreichen mittelalterlichen römischen Adelsfamilie, die im 10. und 11. Jahrhundert die politischen und religiösen Geschehnisse in Roms maßgeblich mit beeinflusste und im Zeitraum 931 nC bis 1049 nC acht Päpste aus ihrem eigenen zweifelhaften Familienclan rekrutierte)
- um das Privileg Papst werden zu dürfen.
Dies war nicht verwunderlich, da eine Ernennung gleichzeitig ein Freibrief zur persönlichen Bereicherung war und auch zur Erlangung größerer Macht.
Simonie (der Verkauf/Kauf von Sakramenten, geistlichen Ämtern, Pfründen und/oder Reliquien gegen Geld oder vergleichbare „geldwerte Vorteile“) war an der Tagesordnung.
Papst in dieser Zeit zu sein konnte aber auch eine psychische Belastung sein, da diese obersten Kirchenführer („Primus inter Pares“ laut dem Zweiten Vatikanischen Konzil) damals oft Rückgrat lose Marionetten der damals mächtigsten römischen Familien waren. Welche Autorität diese ausstrahlen durften und der Grad/Spielraum ihrer Entscheidungsfreiheit wurde diesen von den Familien-Clan-Führern diktiert.
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„ ………… Als aber Simon sah, dass der Geist
gegeben wurde, wenn die Apostel Hände
auflegten, bot er ihnen Geld an und sprach:
„Gebt auch mir diese Macht, dass jeder, dem ich
Hände auflege, den Heiligen Geist empfange.“
Petrus aber sprach zu ihm: „Dein Geld fahre mit Dir
ins Verderben, weil Du glaubst, Gottes Gabe werde
durch Geld erlangt.“
(vgl. frei nach Apostelgeschichte (8, 5–25))
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Die Päpste, welche zwangsweise nur ihres Amtes enthoben wurden, hatten vielleicht noch Glück, da diese sich manchmal ins Exil flüchten konnten. Die anderen wurden eingekerkert oder getötet. In der Wahl der Mittel war man nicht zimperlich.
Aufgrund einer nicht vorhandenen qualifizierten Gerichtsmedizin blieb so mancher Mord unerkannt und ungesühnt.
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Hinzu kam, dass Korruption weit verbreitet war und man sich für Geld oder andere Gefälligkeiten praktisch damals alles kaufen konnte.
Gefälschte Zeugenaussagen konnte man, da das soziale Elend im Volke groß war, an jeder Straßenecke günstig bekommen. Umso mehr Geld der Zeuge bekam, umso genauer konnte sich dieser wunschgemäß erinnern. Ein gewünschtes Richter-/ oder Kommissionsurteil war da schon etwas teurer, aber durchaus für die adeligen Widersacher jederzeit erschwinglich.
Einen unbestechlichen Charakter zu haben und diesen auch zu zeigen, war bisweilen für den Standhaften lebensgefährlich. (Anm: Warum sollte es auf unserer Erde auch damals anders als heutzutage gewesen sein?)
Da war es doch gesünder, wenn man sich als Richter das fertige gewünschte Urteil schon einmal genau einprägte, bevor das Gerichtsverfahren überhaupt eröffnet wurde.
Die goldene Regel der Rechtsprechung im Zeitalter der Saeculum obscurum lautete:
- recht hatte, wer die Macht hatte das Recht, oder das was man dafür hielt, durchzusetzen.
- Wer ausreichend Geld und Reichtum hatte, der hatte in der Regel auch damals die Macht.
- Und wer zu diesen Zeiten die Macht hatte, der hatte auch das Recht auf seiner Seite.
Eine Version der Todesursache von Johannes VIII war, dass dessen liebevolle buckelige Verwandtschaft zunächst einen Giftanschlag auf diesen verübte, welcher aber, da dieser über einen belastbaren Metabolismus verfügte, welcher eines Grigori Jefimowitsch Rasputin (21.01.1869 nC bis 30.12.1916 nC) würdig gewesen wäre, schiefging.
Ersatzweise war die liebe Verwandtschaft dann überein gekommen diesen sicherheitshalber doch besser gleich mit einem Hammer zu erschlagen. Andere historische Quellen berichten aber alternativ auch, dass Johannes VIII im Kampf gegen die Sarazenen zu Tode kam, was aus damaliger Sicht ein Ehren vollerer Tod gewesen wäre. Bis in die heutige Zeit hält sich zudem das Gerücht bzw. Legende, dass dieser Papst in Wirklichkeit weiblichen Geschlechts (Päpstin Johanna) gewesen sei. Zur Klärung der geschichtlichen Unklarheiten wäre es von Vorteil, wenn Historiker endlich umfassenden und unzensierten Zugang zum vatikanischen Archiv erhielten, damit man mal untersuchen kann, was z.B. an den Überlieferungen des Chronisten-Dominikaners Martin von Troppau (ca.
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1220 nC bis 1278 nC.) wahr ist.
Besonders erwähnenswert und bezeichnend in dieser wenig ruhmvollen Zeit ist sicherlich die Synodus horrenda (Kadaversynode).
Hier ließ der verärgerte Papst Stephan VI -
(oder war es doch eher Stephan VII, oder sogar der Papst "Der viertel vor zwölfte"? - da blickt doch keiner mehr durch, so schnell war der eine da und auch schon wieder weg -)
- 897 nC im Rahmen eines makabren Amtsmissbrauchs-Schauprozesses (Leichensynode) seinen Vorgänger Papst Formosus (816 nC bis 04.04.896 nC) exhumieren und diesen nachträglich als Häretiker dessen Schwurhand abhacken. Im Rahmen eines Gerichtsprozesses wurde dieser, bzw. das was von diesem übrig war, in den Gerichtssaal geschleppt, dort auf einen Thron gesetzt und so wie es sich gehörte, vorher natürlich neu eingekleidet, damit er vor dem Gericht auch einen guten Eindruck hinterließ -
(vgl. die Thematisierung hierzu im erstklassigen Gemälde von Jean-Paul Laurens; franz. Maler, Bildhauer; 28.03.1838 nC bis 23.03.1921 nC: "Le Pape Formose et Etienne VI")
- und auch den in der Verhandlung Anwesenden einen lebendigeren Eindruck vermittelte.
Am Ende dieses Prozesses wurden ihm die Schwurfinger abgetrennt, was dieser, nicht verwunderlich in Anbetracht seines Zustandes, aber klaglos hinnahm. Zur weiteren Strafe wurden dessen sterbliche, bzw. schon gestorbenen, Überreste angeblich unehrenhaft in den Fluss Tiber geworfen.
Einige historische Quellen berichten aber auch, dass dieser danach wieder ordentlich im Petersdom beigesetzt worden sei.
So ist es halt in der päpstlichen Geschichtsforschung. Der eine erzählt dieses. Der andere jenes.
Hierzu sei noch erwähnt, dass die Anhänger von Papst Formosus, welche man heutzutage wohl als verärgerte kritische Fans oder Hooligan bezeichnen würde und zu denen u. a. auch Papst Sergius III (Tod 14.04.911 nC) zählte, dessen Leichnam 904 nC erneut exhumieren ließen und diesen nach einer erneuten Leichenschändung in der Nekropole des Vatikans (GPS unverbindlich 41.901705° , 12.453849°) standesgemäß wieder beisetzen. Je, welcher historischen Informationsquelle man Glauben schenkt, kann es auch sein, dass man diesen wieder in den Tiber (GPS unverbindlich: 41.901556° , 12.464668°) geworfen hat.
Berichtet wird, dass Stephan VI u.
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a. durch diese Leichenschändung in Ungnade unbekannter Mächte fiel und kurze Zeit nach der Leichensynode vom Thron gestürzt, aus dem Lateranpalast vertrieben und direkt in den Kerker geworfen wurde, wo man ihn dann erwürgte.
ENDE
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ANNEX:
WEITERE INTERESSANTE PÄPSTE ZU DIESER ZEIT:
1. 904 nC – 911 nC Papst Sergius III.
Dessen Amtszeit war geprägt von politischen Intrigen und Gewalttaten.
2. 914 nC –928 nC Papst Johannes X.
Wurde von seinen Gegnern gestürzt. Wahrscheinlich wurde er ermordet.
3. 955 nC –964 nC Papst Johannes XII.
Ein Freund des „ausschweifenden Lebensstils“ und bekannt durch zahlreiche moralische Verfehlungen. Er wurde irgendwann abgesetzt und starb unter mysteriösen Umständen.
4. 1032 nC bis 1045 nC Papst Benedikt IX:
Dieser Papst liebte das Geld mehr als den Herrn und stand anscheinend auf der damaligen Lohnliste der Tusculaner. Rücktritt zu Gunsten eines anderen Familienmitglieds nach dem Empfang von Bestechungsgeld.
5. 1492 nC bis 1503 nC Papst Alexander VI:
Er liebte die Frauen mehr als den Herrn im Himmel und war damit ein würdiger Vertreter der BORGIA. Nicht an der Erschaffung der Welt, sondern an der Erschaffung von mindestens sieben Kindern soll er maßgeblich beteiligt gewesen sein. Seinen Untertanen predigte er Moral und Enthaltsamkeit (Hypokrisie), während er mehr seine Schwerpunkte auf Nepotismus, Mätressentum und schamloser Korruption setzte. Es wird ihm und seiner Sippschaft nachgesagt, dass diese auch Veranlasser von einigen Auftragsmorden damals waren. Seinem Sohn Cesare soll das Wort Skrupel unbekannt gewesen sein.
6. 1572 nC bis 1585 nC Papst Gregor XIII:
Er war als Papst (Gregorianischer Kalender) nicht gerade ein Vorbild an Empathie als er 1572 nC das Hugenotten-Massaker anlässlich der Bartholomäus Nacht auch noch in einer Messe feierte.
7. 1831 nC bis 1846 nC Papst Gregor XVI:
Dieser hatte einen persönlichen Erzfeind.
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Nämlich die Gedankenfreiheit und jede Art von Demokratie. Mit anderen Meinungen konnte er so ganz und gar nichts anfangen. Als Freund von militärischen Konfliktlösungen ging er unrühmlich in die Geschichte der Päpste ein.
8. 1922 nC bis 1939 nC Papst Pius XI:
Schloss mit Diktator Benito Mussolini am 11.02.1929 nC die von vielen Historikern bis heute als bedenklich angesehenen Lateranverträge, welche die damalige brutale Diktatur Mussolinis propagandistisch aufwerteten. Inhalt der Verträge u.a.:
1) Der Vatikanstaat erhält die politische Souveränität.
2) Der Vatikan tritt gegen eine Entschädigungsleistung die ihm gestohlenen Landgebiete an die Diktatur endgültig ab und erkennt ROM als Sitz der Regierung Italiens an.
3) Konkordat zwischen der Diktatur und dem Vatikan über die weitere religiöse und moralische Zusammenarbeit.
4) Der Katholizismus wird zur zukünftigen Staatsreligion erklärt.
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